Schulen

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Inhaltsverzeichnis

Merkmale von lernenden und nicht lernenden Schul-Organisationen

Nicht lernende Organisationen:
1. Viele starre Regeln

2. Strenge, sanktionenbewehrte Kontrollen (Kontrollen wirken als Selbstzweck)

3. Neigung zur Unterdrückung oder gar Eliminierung abweichender Meinungen

4. Kein Bedarf nach Hinterfragung eingespielter Regelungen („Das haben wir schon immer so gemacht!")

5. Strenge Fehlerbewertung: „Das darf nie wieder vorkommen." „Fehler dürfen nicht passieren."

6. Wenig Vertrauen unter den Beschäftigten ( Lehrer/Lehrer - Schüler/Lehrer) sowie zwischen Leitung und Team

7. Kühle, mitunter feindselige Atmosphäre

8. Wenig Zusammenarbeit. Jeder hütet seine guten Ideen.

9. Es herrscht Konkurrenzdenken vor.

10. Betonung von Hierarchie und Abgrenzung

11. Wenig offene Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern des schulischen Systems, aber auch zwischen der Schule und der Aufsicht

12. Wenig gegenseitige Unterstützung

13. Ablehnung der Teamarbeit

14. Geringe Fortbildungsbereitschaft

15. Schulleiter blockieren Meldungen der Lehrerinnen zur Fortbildung

16. Schulinterne Fortbildung wird als Pflichtübung absolviert


17. Wenig interne Gespräche über die Gestaltung der Schule


18. Anregungen für Veränderungen werden blockiert: Das geht nicht, weil ...

19. Es wird viel über die zunehmenden Probleme lamentiert


20. Projekte werden als Last empfunden.



Lernende Organisationen
1.Wenige und flexible Regeln

2.Kontrollen werden auf das Notwendige beschränkt, dienen der Feststellung von Abweichungen und als notwendiges Regulativ

3. Abweichende Meinungen werden begrüßt, sollen das System optimieren helfen

4.Eingespielte Regelungen können hinterfragt und veränderten Bedürfnissen oder Einsichten leicht angepasst werden

5. Fehlertoleranz: „Das machen wir besser künftig anders." „Wir lernen aus unseren Fehlern."

6. Vertrauen im Team sowie zwischen Leitung und Team

7. Offene und freundliche Atmosphäre

8. Offene Zusammenarbeit. Ideen werden untereinander ausgetauscht. Man lernt voneinander.

9. Es gibt wenig Konkurrenzdenken

10. Betonung der Kollegialität und der Zusammenarbeit

11. Viel offene Zusammenarbeit auf allen Ebenen in der einzelnen Schule wie mit der Schulaufsicht


12. Viel gegenseitige Unterstützung

13. Förderung der Teamarbeit

14. Ausgeprägte Fortbildungsbereitschaft

15. Schulleiter fördern Teilnahme der Lehrer an Fortbildungsveranstaltungen

16. Schulinterne Fortbildung wird als Chance für wichtige Innovationsanstöße genutzt

17. Beständige und verbreitete Gesprächsbereitschaft zur Lösung von Problemen

18. Anregungen für Veränderungen werden positiv angenommen und wohlwollend geprüft.

19. Es wird nüchtern über Probleme diskutiert und um Lösungen gerungen

20. Neue Projekte werden als Chance empfunden.

Quelle: Kasper, Horst (1998): Mobbing in der Schule. Probleme annehmen, Konflikte lösen. 2. Aufl. S. 217-218

Nicht lernende Schulorganisation bieten einen hervorragenden Nährboden für Mobbing und Gewalt an
Schulen. Sie stellen ein Macht ausübendes System dar, in dem Schüler lernen können, dass man zum 
Erreichen seiner Ziele ( ungestraft ) Macht und Gewalt ausüben muss.

Prävention

Prävention von Gewalt als pädagogische Aufgabe
Prävention von Gewalt hat das Ziel, langfristig durch Veränderung von Einstellungen und Verhaltensweisen die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass es nicht zu gewalttätigem Verhalten kommt. Man unterscheidet drei Ebenen der Prävention:

Primärprävention
Die Primärprävention hat zum Ziel, durch psychologische und pädagogische Maßnahmen ein Einstellungs- und Verhaltensrepertoire aufzubauen, damit eine gewaltfreie Konfliktlösung möglich wird. Hierunter sind all die Konzepte zu verstehen, die

  • auf Konfliktlösung ohne Niederlage,
  • auf Entwicklung einer Streitkultur,
  • auf bewusste Kontrolle aggressiver Affekte,
  • auf die Entwicklung prosozialer Normen des Zusammenlebens

zielen.

Sekundärprävention
Sie kümmert sich um Risikogruppen und Risikosituationen, wenn es bereits zu Gewalttaten gekommen ist, oder um einzelne Schüler, die sich in einer akuten Konflikt und Krisensituation befinden. Diese Schüler fallen auf durch:

Leistungsversagen oder prügeln sich häufig mit Mitschülern.

Sekundärprävention in der Schule bedeutet: zunächst Anwendung eines „Erstverhaltens“, welches der Situation angemessen ist, danach ergreift der Lehrer Maßnahmen, die der Deeskalation von Gewalttätigkeit einerseits und dem Aufbau eines prosozialen Verhaltens andererseits dienen.

Tertiärprävention
Sie richtet sich auf Täter und Opfer, die in konkrete Gewaltereignisse verwickelt waren. Bei diesen ist zwar der „Fall“ formal zum Abschluss gebracht, es ist aber eine pädagogische „Nachsorge“ erforderlich, z. B. „Täter-Opfer-Ausgleich“, damit Spätfolgen und das Entstehen neuer Gewalttaten vermieden werden. Wesentliche Ziele sind hier Aufbau und Stärkung von Selbstregulations- und Eigengestaltungskräften.

Lehrerverhalten

Darüber sollte sich ein Kollegium Gedanken machen

   * Die konkreten Lebensbedingungen der Kinder müssen bekannt sein
   * Gesprächsbereitschaft und Konfliktfähigkeit müssen weiterentwickelt und umgesetzt werden können.
   * Sensibilität und Einfühlungsvermögen ermöglichen erst den hilfreichen Umgang mit 
     Kindern und Eltern.

Jeder einzelnen Lehrer einer Schule ist für die Verwirklichung der gemeinsamen Erziehungsziele verantwortlich, gleichgültig ob Fachlehrer, Schulleiter oder Referendar. Zuständig ist immer jeder.

   * Erziehung geht vor – Störungen haben Vorrang
   * Auch Gewalttaten haben ihre Entwicklung
   * Erfahrungsaustausch mit Kollegen im Sinne und in den Strukturen von Supervision
   * Begegnungen und Gespräche mit Eltern individualisieren
   * Begegnungen und Gespräche mit Eltern aufwerten:
     Eltern und Lehrer sind Erziehungspartner, die aufeinander angewiesen sind. 
     Gewalt darf nicht erfolgreich werden durch Wegsehen, Ignorieren, Verschleppen,  
     Versandenlassen.

Sie brauchen ein pädagogisches Konzept an Ihrer Schule. Lehrerargumente wie:

das ist nicht mein Problem,
dafür habe ich keine Zeit,
dafür sind die Eltern verantwortlich,
Korrekturen, Vorbereitungen usw...

sind inakzeptabel. Keinem Elternteil und auch sonst niemand kann man verständlich machen, dass Ihre Dienstaufgaben eine Außeinandersetzung mit Mobbing und Gewalt nicht zulassen, darüber sind wir uns einig. Das gehört zu Ihrem Erziehungsauftrag, auf den Sie vereidigt sind!

Mobbing und Gewalt sind Störfaktoren, die beseitigt werden müssen. Sie erleichtern sich Ihre tägliche Arbeit, wenn ein schlüssiges Konzept vorliegt. Aus der Fülle der vorhandenen Möglichkeiten, finden auch Sie eine Lösung die auf Ihre individuellen Bedürfnisse passt.

Interventionsprogramm nach Olweus

Interventionsprogramm nach Olweus Ein bekanntes multimodales Programm gegen Mobbing an Schulen wurde von dem norwegischen Psychologen Dan Olweus in den achtziger Jahren entwickelt. Ziele dieses Programms sind die Einschränkung der Mobbingproblematik unter Schülerinnen und Schülern, die Schaffung von besseren Beziehungen unter Gleichaltrigen, eine allgemeine Verbesserung des Schulklimas und die Verhütung der Entwicklung von weiteren Mobbingproblemen. Die unterschiedlichen Maßnahmen sind folgende:

Schulebene:

  • Fragebogenerhebung, wobei der Ist-Zustand von Mobbing an der Schule eingeschätzt werden soll.
  • Pädagogischer Tag, an dem das Thema Mobbing in der Schule, im Hinblick auf die Ergebnisse der Fragebogenerhebung, und mögliche Gegenmaßnahmen diskutiert werden.
  • Schulkonferenz, auf der das Interventionsprogramm verabschiedet werden soll.
  • Verbesserte Aufsicht während der Pause und des Essens, wobei typische Gefahrenbereiche unter besonderer Beobachtung stehen und im Falle eines Mobbing-Vorfalles unverzüglich eingegriffen wird. Dabei sollte eine Nicht-Duldung von Mobbingvorfällen signalisiert werden.
  • Verschönerung des Schulhofes, um alternative Aktivitäten in den Pausen zu fördern.
  • Kontakttelefon, wobei Vertrauenspersonen der Schule als Ansprechpartner für Fragen zum Thema Mobbing bereitstehen.
  • Kooperation von Lehrern und Eltern, um Transparenz zu fördern und einen offeneren Umgang mit der Thematik zu gewährleisten.
  • Lehrergruppen zur Entwicklung des sozialen Milieus an der Schule. Innerhalb dieser Gruppen soll ein einheitlicher Standpunkt zum Umgang mit Mobbingproblemen erarbeitet werden. Diese Gruppen fördern weiterhin die gegenseitige Unterstützung und den Zusammenhalt innerhalb des Lehrerkollegiums.
  • Arbeitsgruppen der Elternbeiräte, die eine einheitliche Haltung aller Erwachsenen gegenüber Mobbing innehaben und präsentieren.

Klassenebene:

  • Aufstellen von Klassenregeln und Konsequenzregeln. Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern werden Klassenregeln gegen Mobbing erarbeitet. Weiterhin wird festgehalten, wie im Falle von Beachtung (Lob) bzw. Missachtung (Strafe) zu verfahren ist.
  • Regelmäßige Klassengespräche, in denen die Einhaltung bzw. Nicht-Einhaltung der Klassenregeln ausgewertet wird.
  • Rollenspiele, mit ihnen oder anhand von Literatur werden typische Situationen dargestellt und bearbeitet.
  • Kooperatives Lernen, wird z. B. durch Gruppenarbeit erreicht, wodurch gegenseitige Akzeptanz und Toleranz sowie gegenseitige Unterstützung und Hilfeleistungen gefördert werden.
  • Gemeinsame Klassenaktivitäten, die sich positiv auf die Beziehungen innerhalb der Schülerschaft auswirken und ein Gefühl der Solidarität auslösen.
  • Zusammenarbeit von Lehrkräften und Klassenelternbeirat, um einen Austausch von Erfahrungen und Informationen und eine einheitliche Vorgehensweise zu gewährleisten.

Persönliche Ebene:

  • Führen von ernsthaften Gesprächen mit den Mobbern und Opfern. Gewalt bzw. Mobbing sollten in keiner Weise akzeptiert werden. Tätern ist unmissverständlich klarzumachen, dass und warum ihr Verhalten (nicht ihre Person) nicht toleriert wird und in Zukunft zu unterlassen ist. Dabei sollte der Schutz des Opfers oberste Priorität haben.
  • Führen von ernsthaften Gesprächen mit den Eltern beteiligter Schüler. So können gemeinsame Pläne mit den Eltern abgesprochen und bearbeitet werden und eventuelle Hilfeleistungen erfolgen.
  • Lehrkräfte und Eltern gebrauchen ihre Phantasie, um kreativ und individuell Lösungen für nicht akzeptable, bestehende Situationen zu finden.
  • Hilfe von neutralen Schülern. Das passive Verhalten von außenstehenden Beobachtern sollte in Richtung von Hilfeleistungen gelenkt werden.
  • Hilfe und Unterstützung von Eltern. Eine Zusammenarbeit und Unterstützung von Lehrern und Eltern sollte grundlegendes Ziel sein.
  • Etablieren von Diskussionsgruppen für Eltern von Tätern und Opfern, in denen gegenseitig Erfahrungen ausgetauscht werden können.
  • Klassen- oder Schulwechsel, wobei nach Möglichkeit der Täter versetzt werden sollte.

Interventionsprogramm nach Guggenbühl

Der Schweizer Jugendpsychologe und Erziehungsberater entwickelte ein Kriseninterventionsprogramm Er geht Guggenbühl nach einem 7-Punkte-Programm-Schema vor, in das alle Beteiligten einbezogen werden („Alles-oder-nichts-Prinzip"):

  • Lehrergespräche: aus der Sicht der Lehrperson - eigenes Lehrerbild Klassenbild, Schwierigkeiten mit und in der betreffenden Klasse, eigene Biographie, Berufsbild,
  • Schulbesuche: Sammeln von Informationen aus dem schulischen Umfeld, Kontakt mit der Klasse, Erfahrungen bez. des Lern-Ambientes Unterrichtsbesuche,
  • Elternabend: Vorstellung des Interventionsprojektes, Abklärung von Sachverhalten aus der Sicht der Eltern, Erreichung von Akzeptanz und aktiver Mitarbeit der Eltern,
  • Arbeit mit der Klasse / Mythodrama: Autoritatives Auftreten des Interventionsteams, Benennung der Probleme, Vorstellung des Interventionsprojektes, Aufzeigung der Spielregeln, Einstimmungsübungen auf Aggressionen hin, Geschichten (Narrationen) mit aggressiven Inhalten - auf die speziellen Klassenverhältnisse abgestimmt, Rollenspiel, Gruppenspiel, Zeichnungen usw. als Verarbeitung der Narrationen, Gruppengespräche auf die Narrationen hin, dann Transfer auf die aktuellen Schwierigkeiten hin, Abklärung von Lösungen, Maßnahmen, Sitzungen zu unterschiedlichen Terminen,
  • Lehrerbegleitung: Einbeziehung der Lehrer in die Abgleichung von Maßnahmen,
  • Schlussintervention: Persönliche Gespräche über Gewalt, Gewaltregelungen, Erfolg/Nutzen oder Misserfolg des Projektes,
  • Abschlussabend: Einbeziehung der Eltern, Überdenken des Interventionsprogramms, Verhaltensänderungen, verbindliche Abmachungen usw.!

Schulgesetze der Bundesländer

Schulgesetze der Bundesländer der Bundesrepublik Deutschland mit Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen. soweit im Internet recherchierbar und veröffentlicht.
(Schul-)rechtliche Grundlagen Internationale Rechtskonventionen, Kinderrechtskonvention, Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Grundgesetz der BRD

Literatur

Guggenbühl, Alan, Die unheimliche Faszination der Gewalt, DTV Deutscher Taschenbuch; Auflage: 2. A. (1997)

Olweus, Dan, Gewalt in der Schule. Was Lehrer und Eltern wissen sollten - und tun können, Huber, Bern, 2006

Guggenbühl, Alan, Anleitung zum Mobbing, Zytglogge-Verlag; Auflage: 1 (Mai 2008)

Persönliche Werkzeuge