Prävention
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Prävention/Intervention als Pädagogische Aufgabe
Grundsätzlich ist zwischen Intervention und Prävention zu unterscheiden.
Intervention ist ein direktes Eingreifen während eines Mobbing-Prozesses, Prävention schaltet schon im Vorfeld Mobbing begünstigende Faktoren aus, so dass es nach Möglichkeit nicht zu einer Eskalation kommt.
Inhaltsverzeichnis |
Grundlagen erfolgreicher Prävention und Intervention
Gewalt und insbesondere Aggression sind untrennbar mit unserer biologischen Existenz, unserem Leben verbunden. Es ist deshalb unmöglich, ein gewaltfreies bzw. aggressionsfreies Zusammenleben zu erreichen. Das muss man akzeptieren. Deshalb macht es wenig Sinn ”Gewaltfreiheit” anzustreben, sondern unser Bemühen muss dem dem Versuch gelten, die Auftretenswahrscheinlichkeit von Gewalt und Aggression zu minimieren, Eskalationen zu verhindern sowie Gewalt und Aggressionen so zu kanalisieren, dass sie die Mitmenschen möglichst wenig schädigen.
Hilfreiche Leitsätze:
* Gewalt kann man erklären, aber nicht entschuldigen!
* Weggehen ist ”unterlassene Hilfeleistung” und damit strafbar!
* Solange der Gewalttäter seine Ziele durch Gewaltanwendung sicher, leicht und für ihn
ungefährlich erreicht, besteht für ihn kein Anlass, sein Verhalten zu ändern!
* Wer einen Gewalttäter schont, schlägt dem Opfer ins Gesicht!
* Gewalt wird so lange ausgeübt, wie sie sich lohnt!
* Wer als Lehrer regelmäßig 5 Minuten zu spät zum Unterricht erscheint und die Klasse ohne
Aufsicht lässt, hat kein Recht, sich über Gewalt zu beklagen.
* Die wirksamste Form des Lernens ist das Modell-Lernen: Fassen wir uns an die eigene Nase.
* Worte können Wunden schlagen, gegen die kein Pflaster hilft.
* Spaßkämpfchen sind nur für die Überlegenen spaßig!
Allen erfolgreichen Maßnahmen gegen Gewalt in der Schule ist gemeinsam:
* Es gibt in der Schule verbindliche Regeln und Absprachen, an die sich alle halten,
auch die Lehrerinnen und Lehrer.
* Es gibt eine wahrnehmbare Schulidentität, die das Wir-Gefühl unterstützt oder der
Schulleiter beziehungsweise die Schulleiterin ist eine starke Integrationsfigur.
* Gewalttätiges Verhalten wird nicht ignoriert, sondern sofort mit einer Reihe gestaffelter
Sanktionen / Maßnahmen beantwortet.
* Der Arbeitsaufwand für die Lehrerinnen und Lehrer ist größer als üblich, der notwendige
Einsatz und das Engagement höher. Die Lehrerinnen und Lehrer sind sich ihrer
Verantwortung als Verhaltensmodelle und Verhaltenstrainer bewusst und üben daher
Selbstdisziplin.
In Zusammenhang mit Gewalt besteht eine Interventionspflicht seitens der Lehrerinnen und Lehrer. Der Schulweg und die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln müssen in Überlegungen zur Gewaltprävention von Seiten der Schule einbezogen werden.
Aufsichtspflicht:
Intervention setzt ”Hinschauen” voraus und ”Hinschauen” Anwesenheit. Es muss sichergestellt werden, dass die Lehrerinnen und Lehrer ihrer Aufsichtspflicht pünktlich nachkommen. Verantwortlich dafür ist die Schulleitung!
Es gibt Vorkommnisse, da darf es nicht in das Ermessen der Schule oder einzelner Lehrerinnen und Lehrer gestellt sein, ob eine Sanktion verhängt wird!
1. Angriff mit Körperverletzung auf Mitschüler und Lehrer;
2. Zerstörung des Eigentums von Mitschülern und Lehrern, Bedrohung, Telefonterror
3. Waffenbesitz,
4. Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Missbrauch;
5. Räuberische Erpressung, ”Abziehen”, Schutzgelderpressung,
6. Handel mit Drogen und Waffen.
Unabhängig von der schulischen Sanktion, hat Strafanzeige zu erfolgen. Die Schule hat keine Möglichkeit, im Falle von Offizialdelikten von einer Anzeige abzusehen. Die Schulleitung beziehungsweise die betreffende Lehrperson macht sich in diesem Fall der Strafvereitelung schuldig.
Faustlos
Was ist faustlos ?
"Faustlos ist ein für die Grundschule und den Kindergarten entwickeltes Curriculum, das impulsives und aggressives Verhalten von Kindern vermindern und ihre sozialen Kompetenzen erhöhen soll. Es ist die deutsche Version des amerikanischen Programms Second Step, das zahlreiche Auszeichnungen erhalten hat. Die deutschsprachichge Version des Programms wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Manfred Cierpka entwickelt. Das Curriculum vermittelt mit 51 bzw. 28 Lektionen Kompetenzen in den Bereichen Empathie, Impulskontrolle und Umgang mit Ärger und Wut. Unterrichtet werden die Lektionen von LehrerInnen bzw. ErzieherInnen, die vorab an einer entsprechenden Fortbildung durch das Heidelberger Präventionszentrum (HPZ) teilnehmen. Faustlos gehört in zahlreichen Kindertagesstätten und Grundschulen der BRD, Österreich und der Schweiz zum festen Bestandteil der pädagogischen Arbeit."
Entnommen aus der Internetseite Faustlos
Projektlinks
Kontaktbüro Gewaltprävention Landesbildungsserver BW
Projekte zur Gewaltprävention Deutscher Bildungsserver.
Konfliktberatung und Gewaltprävention Hessen
Friedensfähigkeit learn line
Dekade zur Überwindung von Gewalt Sachsen
u.v.m.
Das Schüler-Streit-Schlichter-Programm
Die Idee dieses Programms, das Schülern soziale Kompetenz und eigene Fähigkeiten des Streitschlichtens vermitteln soll, wird auch Mediation genannt und wird seit ungefähr 12 Jahren, beginnend in den USA in Schulen angewandt. Hierbei vermittelt ein neutraler Schüler als Schlichter zwischen zwei Parteien, die einen Konflikt gemeinsam lösen wollen.
Mehr dazu hier: Kleiner Leitfaden für das Streit-Schlichtungs-Programm
Mediation
heißt Vermittlung (dieser Hinweis nur für Grund- und Hauptschullehrer). Eine Vermittlung in Streitfällen. Der Mediator ist ein unparteiischer Dritter, der von allen Seiten akzeptiert wird. Der Mediator fällt kein Urteil, er hilft vielmehr den Streitenden, ihre eigene Lösung der Probleme zu finden. Ziel der Mediation ist es daher, dass die verschiedenen Sichtweisen der Beteiligten zur Sprache kommen können. Das Ergebnis einer erfolgreichen Mediation ist eine im Einvernehmen erfolgte konkrete Vereinbarung. Die Autonomie der Beteiligten ist eine Grundlage des Verfahrens.
Die Voraussetzungen, die die Konfliktparteien für die Mediation mitbringen müssen, sind die Bereitschaft,
* am Entscheidungsprozeß mitzuwirken, * das Ergebnis zu verantworten, * den eigenen Standpunkt zu vertreten und * auf beiderseitig annehmbare Entscheidungen hinzuarbeiten.
Mehr dazu hier: Mediation im Überblick * Mediation in ethnonationalen Konflikten
Auch die regionalen Schulämter - Schulaufsichtsbehörden bieten dazu Fortbildungsveranstaltungen an. Bitte informieren Sie sich bei Interesse dort.
Die zehn Gebote der Mediation
Wenn ein Konflikt per Mediation geregelt werden soll, müssen sich alle, die sich an einen Tisch setzen klar darüber sein was das bedeutet. Grundprinzipien, Regeln oder Leitsätze sind jedoch nicht als starre Gesetze zu verstehen, sondern als Hilfsmittel, die auf die Teilnehmer, die Situation und den Konfliktgegenstand abgestimmt sein müssen. Hier als Beispiel die Grundprinzipien von Umweltmediatioren der "Canadian Round Tables".
1. Zielorientiert
Wer an einer Mediation teilnimmt, braucht einen Grund dafür.
2. Einbeziehung statt Ausschluß
Jeder, der vom Konflikt betroffen ist, sollte in den Mediationsprozeß mit einbezogen werden.
3. Freiwilligkeit
Die interessierten oder betroffenen Parteien nehmen freiwillig teil. Wer keinen Sinn mehr in der Mediation sieht, kann jederzeit aussteigen und eine andere Konfliltregelung probieren.
4. Selbstbestimmung
Die Teilnehmer bestimmen selbst, warum es im Mediationsprozeß geht.
Jeder spricht für sich selbst. Dem Mediator kommt die Rolle eines Katalysator zu, der für eine konstruktive Gestaltung des Vermittlungsprozesses sorgt.
5. Flexibilität
Es ist nicht möglich, alles vorauszusehen und zu planen, was im Mediationsprozeß geschehen wird. Das Feedback der Teilnehmer muß in das Verfahren eingebaut werden.
6. Chancengleichheit
Alle Parteien müssen auf den selben Kenntnisstand kommen können. Alle haben das gleiche Recht, den Mediationsprozeß zu gestalten.
7. Achtung unterschiedlicher Interessen
Die Mediation erfordert die gegenseitige Achtung von unterschiedlichen Werten und Interessen. Statt Positionen zu verhandeln, werden die Bedrüfnisse und Interessen transparent, die ihnen zugrunde liegen.
8. Verantwortlichkeit
Die Teilnehmer einer Mediation müssen für die Gruppe sprechen, die sie vertreten. Sie müssen die Möglichkeit haben, sich mit ihr kurzuschließen, um ihre Interessen in den Mediationsprozeß einbringen zu können.
9. Zeitlimit
Eine realistische Zeitplanung ist notwendig. Die Teilnehmer sollten sich darüber im klaren sein, bis wann sie ihren Konflikt gelöst haben wollen.
10. Ausführung
Die Teilnehmer sollen klären, wie die Realisierung ihrer Übereinkünfte aussehen soll und wie sie mit möglichen Probleme bei de Ausführung umgehen wollen.
Mediation bietet ausschließlich Erfolgschancen, wenn der Täter eine Lösung des Konfliktes möchte. Nachdem dem Mobber Einhalt geboten wurde, kommt der Unterstützung des Opfers eine gewichtige Bedeutung zu. Ebenso muss der Täter so unterstützt werden, dass er sein Verhalten nicht nur im aktuellen Fall, sondern grundsätzlich ändert.
Farsta-Methode / Methode des Shared Concern / No-Blame-Ansatz
Die Farsta-Methode ist eine Interventionsmethode, bei der man die Täterin oder den Täter mit seinen Übergriffen konfrontiert. Dazu ist es nötig, dass die Schulen eine spezielle Arbeitsgruppe (Anti-Bullying-Gruppe/Anti-Mobbing-Gruppe), bestehend aus mehreren Lehrern, einrichten. Diese Arbeitsgemeinschaft hat zunächst die Aufgabe, sämtliche ihnen zugängliche Informationen über den Vorfall zu sammeln und zu überlegen, ob es sich tatsächlich um eine Bullying/Mobbing-Problematik handelt, und wenn ja, wie man dagegen vorgehen kann. Anschließend werden Opfer und Täter nacheinander zu einem Gespräch gebeten, bei dem Details des Geschehens geklärt werden. Im Verlauf des Gesprächs wird der oder die Täter/in mit den Vorfällen konfrontiert, und es wird unmissverständlich klargestellt, dass diese Übergriffe aufzuhören haben. Dabei soll auf eine Schuldzuweisung verzichtet werden. Diese Gespräche werden so lange fortgesetzt, bis man mit der Täterin oder dem Täter erarbeitet hat, wie man eine nichtfeindselige Beziehung zum Opfer aufbauen kann und dies auch in die Tat umgesetzt ist. Im Nachhinein folgen noch einige Gespräche mit der Täterin oder dem Täter, damit eine langfristige Einhaltung der Vereinbarungen auch gewährleistet ist.
No Blame Approach
Der „No Blame Approach“ (wörtlich „Ohne Schuld Ansatz“) ist eine lösungsorientierte Vorgehensweise in der Tradition systemischer und kurzzeittherapeutischer Ansätze von Steve de Shazer und Insoo Berg. Er gibt Schulen ein einfaches Instrument an die Hand, bei Mobbing zum Wohl und Schutz der Mobbing-Betroffenen zu handeln mit dem Ziel, Mobbing nachhaltig zu stoppen.
Der No Blame Approach ist eine klar strukturierte Methode und erfolgt in drei zeitlich aufeinander folgenden Schritten.
- Schritt 1: Gespräch mit Mobbing-Betroffenem
- Schritt 2: Gespräch mit Unterstützungsgruppe
- Schritt 3: Nachgespräche (einzeln)
Das Buch zur Vorgehensweise gibt es hier auszugsweise zum Download oder zum Bestellen.
Besonders geeignet für Schulen. ( Meinung der Readaktion )
Die Methode des Shared Concern
erfolgt in ähnlicher Art und Weise. Die Mobber werden in Einzelgesprächen mit den Gefühlen, Ängsten etc. des Opfers konfrontiert. Dabei wird die Mobbingproblematik als gruppendynamisches Phänomen aufgefasst, welchem es entgegenzuwirken gilt, um individuelles, verantwortungsbewusstes Handeln zu verstärken. Ebenfalls ausgelegt auf die konstruktive Konfliktbearbeitung im Gespräch ist der No-Blame-Ansatz. Anders aber als bei der Farsta-Methode und der Methode des Shared Concern wird nach einem Einzelgespräch mit dem Opfer die Mobbingthematik in Gruppentreffen (Täter, Opfer und weitere Beteiligte) bearbeitet. Bei diesen Treffen werden den anderen die Gefühle des Opfers dargelegt und ihnen klargemacht, dass sie für die jetzige und zukünftige Situation des Opfers die Verantwortung tragen. Dabei werden Schuldzuweisungen unterlassen. Anschließend werden gemeinsam mit der Gruppe Vorschläge erarbeitet, wie man die Situation in Zukunft für das Opfer angenehmer gestalten kann. Für die Umsetzung dieser Vorschläge wird, mit Unterstützung durch Begleit- und Nachtreffen, die Verantwortung ebenfalls der ganzen Gruppe zugeschrieben.
Das Gordon-Konfliktraining
ist ein präventives Modell und geht auf Thomas Gordon, Psychologe und Psychotherapeut in den USA, zurück. Seiner Ansicht nach produzieren die Beziehungen, in denen eine Person auf die andere Macht ausübt, Krankheiten. Deshalb sollten Konflikte, die in unserer Gesellschaft alltäglich sind, so ausgetragen werden, dass niemand verliert („niederlagenlose Methode"). Nur so können sich zwischenmenschliche Beziehungen weiterentwickeln und intensivieren.
Vor diesem Hintergrund hat seine Maßnahme, welche sowohl bei Schülern und Lehrern als auch bei Eltern anwendbar ist, die Ausbildung von Fähigkeiten zur gewaltfreien Konfliktlösung zum Ziel. Es sollen Kompromisse gefunden werden, die für alle Parteien annehmbar sind. Gordon empfiehlt dazu folgende Schritte:
1. Den vorliegenden Konflikt identifizieren und definieren.
2. Nach alternativen Lösungen suchen.
3. Diese Alternativlösungen kritisch bewerten.
4. Entscheidung für die beste annehmbare Lösung.
5. Ausarbeitung von Methoden, um die entwickelte Lösung zu verwirkli¬chen.
6. Überprüfung dieser Lösung zu einem späteren Zeitpunkt.
Eine zentrale Rolle bei dieser Maßnahme spielt die Kommunikation. Es soll auf die Verwendung von DU-Botschaften, im Sinne von „Du darfst nicht ..." verzichtet werden und stattdessen sollen ICH-Botschaften, die die eigenen Empfindungen und Gefühle wiedergeben, verwendet werden. Dies hat den Vorteil, dass der Angesprochene nicht angeklagt wird und sich deshalb weniger bedroht fühlt. Weiterhin fördern ICH-Botschaften Ehrlichkeit und Offenheit und somit eine Vertrauensbasis. Der Angesprochene braucht sich nicht zu rechtfertigen und nimmt eher die Botschaft des anderen an bzw. zieht es eher in Erwägung sich zu ändern. Weiterhin sollte die Kommunikation durch Annahme und Akzeptanz gekennzeichnet sein. Um dies zu erreichen, empfiehlt Gordon seinem Gesprächspartner aktiv zuzuhören, sich nicht in die Äußerungen und Belange des Gegenübers einzumischen und verbal und nonverbal (z. B. durch Mimik und Gestik) zu verstehen zu geben, dass man die Person so akzeptiert, wie sie ist. Durch dieses Modell erfahren die Schülerinnen und Schüler, dass sie ihre eigenen Entscheidungen treffen dürfen und können. Gleichzeitig lernen sie mit ihren Gefühlen umzugehen, sie auszudrücken, über Sachverhalte nachzudenken, sich in andere Menschen einzufühlen und schließlich Aggressionen abzubauen.
Links dazu
Institut für Friedenspädagogik Tübingen
Literatur
Olweus, Dan Gewalt in der Schule. Was Lehrer und Eltern wissen sollten - und tun können (Broschiert) , Huber, Bern 2006
Gollnick, Rüdiger Schulische Mobbing-Fälle. Analysen und Strategien , Lit; Auflage: 3., aktualisierte Auflage (1. Juni 2008)
Kasper, Horst Arbeitsmappe Konfliktmanagement in der Schule: Schüler - Lehrer - Kollegium - Eltern - Öffentlichkeit , (Taschenbuch)
Kasper, Horst Lehrerhandbuch Konfliktmanagement: Im Garten des Menschlichen (Taschenbuch) , (Taschenbuch)


