Mobbinghandlungen

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Mobbinghandlungen (in Anlehnung an Esser & Wollmarath, 2005) Untersuchung der Arbeitswelt

Angriffe gegen die Arbeitsleitsung und das Leistungsvermögen

  • Sabotage: Beschädigung, Diebstahl, Manipulation von Arbeitsmitteln
  • Unterschlagung von Arbeitsergebnissen (z.B. Unterlagen, Dateien sind »weg«)
  • Manipulation von Arbeitsergebnissen (z.B. gezielt Fehler einfügen)
  • Erzeugen von Störungen (z.B. unsinnige Telefonate, Unterbrechungen)
  • Vorenthalten und/oder Fälschen von arbeitsrelevanten Informationen
  • Gezielte Unterdrückung von Informationen über Besprechungen,(End-)Terminen
  • Anordnung von sinnlosen Tätigkeiten (z.B. ausgemusterte Ordner sortieren
  • Anordnung, keine Tätigkeit während der Arbeitszeit auszuüben
  • Anordnung von systematisch überfordernden Tätigkeiten
  • Zuweisung von objektiv zu viel Arbeit
  • Willkürlich auf liegengebliebener Arbeit (z.B. wegen Urlaub, Betriebststätigkeit) sitzen lassen
  • Ungünstige Lage des Arbeitsplatzes (z.B. zu laut, Störungen, ungeschützt, exponiert)
  • Anordnung von systematisch unterfordernden Tätigkeiten
  • Anordnungen so gestalten, dass unvermeidliche Fehler gemacht werden
  • Manipulierte Arbeitszuweisung (z.B. nur unbeliebteste, schlechteste, schmutzigste)
  • Kappen üblicher Informationskanäle (z.B. kein Telefon, kein Fax, keine E-Mail)
  • Blockade von gemeinsamer Tätigkeit
  • Verweigerung von Hilfe, Unterstützung, Rat (obwohl es möglich wäre)
  • Überraschendes Zurückziehen von verbindlich zugesagter Unterstützung
  • Geistiger Diebstahl, Aneignung von Arbeitsergebnissen
  • Beschneidung der Zuständigkeit
  • Dienst nach Vorschrift
  • Entscheidungen oder Kompetenzen werden permanent angezweifelt
  • Anweisungen werden (offen oder verdeckt) nicht ausgeführt oder sabotiert
  • Anweisungen werden wortwörtlich ausgeführt (offensichtliche Fehler einbezogen)
  • Willkürlich erzeugter Zeitdruck
  • Überraschungsangriffe (z.B. plötzliche Änderungen der Arbeitsaufträge, Termine)

Angriffe gegen den Bestand des Beschäftigungsverhältnisses

  • Behaupten von Fehlverhalten (z.B. Urlaubsantrag »verschwindet«)
  • Fehler und negative Vorfälle werden Betroffenem in die Schuhe geschoben
  • Willkürliche Abmahnungen
  • Willkürliche Umsetzung oder Versetzung (sowie Versuche dazu)
  • Willkürliche Kündigung(en) (d.h. die Gründe werden »an den Haaren«  herbeigezogen
  • Manipulation der Arbeitszeiterfassung
  • Strafbare Handlungen werden unterstellt (z.B. Diebesgut wird unter¬geschoben)
  • Berufliche Qualifikation wird ständig in Frage gestellt
  • Willkürliches Zurückhalten von Entgelt (z.B. Urlaubsgeld, Spesen)
  • Absichtlich schlechte berufliche Beurteilung; Behauptung von Schlechtleistungen
  • Betrieblich übliche Beförderungen, angestrebte Position werden blockiert
  • Fort- und Weiterbildungsvorhaben werden gezielt behindert

Destruktive Kritik

  • Demütigende, unsachliche, überzogene, gnadenlose Kritik
  • Aufbauschen einzelner Vorfälle oder Fehler
  • Generalisierung von Fehlern; pauschale Kritik _ Kritik von Fehlern, die durch Anweisungen des Mobbers provoziert wurden
  • Ständige (harsche) Kritik oder Entmutigung
  • Unterdrückung von Verbesserungsvorschlägen und -bemühungen
  • Ausbremsen der Motivation (z.B. »Das schaffen Sie nie!«)
  • Dauerkontrolle mit dem Ziel der Zermürbung

Angriffe gegen die soziale Integration am Arbeitsplatz

  • Räumliche Isolation (z.B. abgelegener Arbeitsplatz)
  • Unterdrückung von Meinungsäußerungen des Betroffenen (z.B. »Mund verbieten«)
  • Gespräche hinter dem Rücken (z.B. Tuscheln, Tratschen)
  • Anspielungen, zweideutige Bemerkungen
  • Engagement des Betroffenen wird als getarnter Egoismus diffamiert
  • Mögliche Bündnispartner des Betroffenen werden eingeschüchtert
  • Mögliche Bündnispartner des Betroffenen werden versetzt
  • Ausschließen aus der Alltagskommunikation (»Wie Luft behandeln«)
  • Ausschließen aus informellen/geselligen Treffen (»Tür-Zu-Methode«)
  • Ausschließen aus üblichen gegenseitigen Freundlichkeiten im Kollegenkreis (z.B. Brötchen oder Süßigkeiten mitbringen, Kaffee kochen, Blumen gießen)
  • Demonstratives Schweigen im Beisein des Betroffenen
  • Ignorieren von Fragen, Gesprächswünschen, Hilfeersuchen, Kooperationsangeboten
  • Demonstrativ aus dem Weg gehen, nicht an einem Tisch sitzen, nicht in einem Raum aufhalten

Angriffe gegen das soziale Ansehen im Beruf

  • Gezielte Verleumdung, Rufmord
  • Gerüchte verbreiten oder gezielt weiterleiten
  • Dem Betroffenen wider besseren Wissens Böswilligkeit/Fahrlässigkeit unterstellen
  • Provokation, um die emotionale Reaktion auszuschlachten
  • Beleidigung und Demütigung im Beisein Dritter
  • Lächerlich machen (z.B. verbal, mit Mimik, mit Gestik, durch Karikatur)
  • Unglaubwürdig machen, blamieren, bloßstellen
  • Gezielte negative Sonderbehandlung (d.h. nur der Mobbingbetroffene wird so behandelt)
  • Demonstrative scheinbar positive Sonderbehandlung (z.B. »Tot-Loben«)
  • Psychische Erkrankung unterstellen
  • Beschwerden durch Dritte erfinden (z.B. gefälschte Briefe, Anrufe, E-Mails)
  • (Fingierte) Schreiben des oder an den Betroffenen werden öffentlich gemacht

Angriffe gegen das Selbstwertgefühl

  • Demütigung, Erniedrigung, Blamage, Häme, Abwertung (verbal und/oder nonverbal)
  • Unterdrückung durch verbale Dominanz (z.B. Anschreien)
  • Ruppige Redeweise mit dem Betroffenen
  • Menschliche Qualifikation (»Charakter«) wird bestritten
  • Verunsicherung, Kränkung, Beleidigung, Schmähung
  • Gezieltes Attackieren und Ausnutzen von persönlichen Unsicherheiten
  • Persönliche Schwächen werden publik gemacht
  • Aufbauschen von Fehlern und Unzulänglichkeiten (z.B. negative Sonderrolle,Ungerechtigkeiten) » Übertriebene Kontrolle, berufliche Entmündigung

Angst, Schreck und Ekel erzeugen

  • » Angst und Schrecken erzeugen (z.B. Einsperren des Betroffenen, Spinne in den Schreibtisch legen, tote Tiere im Büro ablegen, elektrischen Kurzschluss herbeiführen)
  • » Ekel erzeugen (z.B. Stinkbomben, verdorbene Lebensmittel im Büro verstecken)
  • Einschüchtern, Bedrohen, Nötigen (z.B. Drohen mit dem Arbeitsplatzverlust, körperliche Gewaltandrohung)
  • Anordnung, zum Arzt zu gehen, um die psychische Gesundheit prüfen zu lassen

Angriffe gegen die Privatsphäre

  • (Nächtlicher) Telefonterror
  • Ständige Anrufe oder Besuche zur Kontrolle
  • Bedrängende Aufforderungen, aus dem Urlaub und/oder aus der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit zurück zu kommen
  • Schlechtmachen des Betroffenen bei Familienangehörigen, Freunden etc.
  • Familienangehörige ängstigen, angreifen, belästigen
  • Sachbeschädigung an privaten oder beruflich genutzten Gegenständen, Kleidung etc.
  • Gezielte Zuweisung schlechter Urlaubstermine
  • Kurzfristige Zurücknahme zugesagten Urlaubs oder Freizeitausgleichs
  • Unterschlagung von Anträgen (z.B. wegen Urlaub, Bildung)
  • Ständiges Abwerten privater Vorlieben, Interessen und Tätigkeiten
  • Ständiges Abwerten religiöser, politischer, weltanschaulicher Überzeugungen

Angriffe gegen die Gesundheit und körperliche Unversehrtheit

  • Offene körperliche Übergriffe, Gewaltanwendung
  • Als Zufall oder Missgeschick getarnte Verletzungen beifügen
  • Gezielte Anordnung von gesundheitsschädlichen Tätigkeiten
  • Sabotage von Sicherheitsmaßnahmen; Verschwinden lassen von Schutzmitteln
  • Sexuelle Belästigung
  • Heimliche Verabreichung von Medikamenten und/oder Suchtmitteln (z.B. Alkohol bei einem abstinenten Alkoholiker)
  • Ungenießbarmachung oder Verunreinigung von Lebensmitteln
  • Herbeiführen von gesundheitlichen Beeinträchtigungen (z.B. Zugluft,
  • Kälte, Hitze, Lautstärke, Vibration, Tabakqualm, Sprays)
  • Ausnutzen von gesundheitlichen Handikaps und Krankheiten gegen Betroffene
  • Betroffenen zum Suizid auffordern

Versagen von Hilfe

  • Ignorieren von Mobbingsituationen (z.B. Wegschauen, Weggehen)
  • Verharmlosen, Lächerlichmachen von Beschwerden
  • Vorwürfe, Schuldzuweisung gegenüber dem Betroffenen
  • Dulden von Mobbingvorgängen
  • Unterlassene Hilfeleistung




Bild:Mobbinghandlungen.gif

Differenziert nach Geschlecht, Alter, beruflichem Status und Tätigkeitsniveau sind merkmalstypische Mobbinghandlungen zu beobachten (Meschkutat et al., 2002). Angriffe gegen Frauen spielen sich überwiegend im sozialen, weniger im arbeitsbezogenen Kontext ab. Bei Männern ist es umgekehrt, sie sind häufiger von Mobbing betroffen, das im fachlichen Kontext stattfindet, und weniger von feindseligen Handlungen, die auf der Ebene der sozialen Beziehungen angesiedelt sind. Jüngere Beschäftigte werden überwiegend fachlich diskreditiert, ältere dadurch, dass ihnen Arbeit entzogen wird. Arbeiter werden am häufigsten durch Gerüchte, Unwahrheiten, Sticheleien, Hänseleien und Beleidigungen gemobbt, am seltensten werden sie bei der Arbeit behindert. Bei den Beamten ist es genau umgekehrt. Gerüchte etc. sind selten, aber Arbeitsentzug findet häufig statt. Personen, deren Tätigkeit unterem Niveau angesiedelt ist, leiden am meisten unter Gerüchten t Personen, deren Tätigkeit auf hohem Niveau angesiedelt ist, fühlen sich häufig durch Verweigerung wichtiger Informationen gemobbt.

Nach Zapf (1999) kann man Mobbinghandlungen in folgende Strategien zusammenfassen:

  • Mobbing als organisatorische Maßnahme, die schwerpunktmäßig die Arbeitsaufgaben und den Entzug von Entscheidungskompeter betrifft.
  • Soziale Isolierung: Man spricht nicht mehr mit den Betroffenen und lässt sich nicht mehr ansprechen. Man meidet die betroffene Person und grenzt sie aus.
  • Angriff auf die Person und ihre Privatsphäre: Man macht die Person lächerlich und reißt Witze über deren Privatleben.
  • Verbale Drohungen oder verbale Aggressionen wie Anschreien, Kritisieren und Demütigen vor anderen Mitarbeitern.
  • Androhung und Ausübung körperlicher Gewalt.

Besonders aufgrund der Erfahrungen von Mobbingberatungsstellen wurde der Begriff Mobbing über die gerade vorgestellte individuelle Perspektive hinaus erweitert:

Mobbing auf dynamischer Ebene

  • Gruppe sucht Sündenbock für Leistungsabfall
  • Gruppe zeigt Einstellungen oder Werte, die zur sozialen Isolation von Teammitgliedern führen
  • Gruppe handelt als Initiator, Richter und Vollstrecker

Mobbing auf organisatorischer Ebene

  • Betriebliche Konflikte werden mit Macht gelöst
  • Mobbing wird als Disziplinierungsmittel eingesetzt
  • Systematische Rechtsverletzungen durch Führungskräfte

Die Weitung des Blicks ist wichtig, weil man sich aus der Verengung auf das Opfer löst. Auch ohne das konkrete Mobbingopfer gäbe es Konflikte, sie müssten jedoch in anderer Weise bearbeitet werden oder es gäbe statt diesem ein anderes Opfer.

Literatur

Esser, A. & Wolmerath, M. , Mobbing. Der Ratgeber für Betroffene und ihre Interessenvertretung (6. Auflage ) Frankfurt/Main: Bund- Verlag (2005)

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